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Gedanken Des Monats

Impulse für den Alltag


Hier finden Sie jeden Monat ein paar Zeilen, die Ihnen helfen sollen, im Alltag eine kurze Pause einzulegen und über Gott und die Welt nachzudenken. Wir wünschen Ihnen viel Segen und persönlichen Gewinn beim Lesen.

Rituale - Leere Traditionen oder gute Gewohnheiten?

"Das heißt abergläubisch, wenn man seine Hoffnungen auf Formeln und Zeremonien setzt. Es heißt aber hochmütig sein, wenn man sich ihnen nicht unterwerfen will."

Blaise Pascal

Abendmahl

Liebe Leserinnen und Leser,

in diesen Tagen wurde in Japan Kaiser Naruhito in einer offiziellen Zeremonie zum 126. Kaiser gekrönt. Die Krönungszeremonie war perfekt inszeniert und folgte einer Jahrtausende alten Tradition – traditionelle Kleider, strenger Ablaufplan, vorgegebene Elemente. Ein Ritual, wie es in unserer westlichen Welt eher ungewöhnlich erscheint.

Ein Ritual ist eine nach vorgegebenen Regeln ablaufende, meist formelle und oft feierlich-festliche Handlung mit hohem Symbolgehalt. Rituale gibt es in allen Bereichen der Gesellschaft und in allen möglichen Formen. Häufig sind sie aber auch im religiösen Bereich verankert.

Ich selbst habe zu Ritualen ein gemischtes Verhältnis. Häufig bringe ich sie mit althergebrachten Traditionen in Verbindung. Sie haben für mich oft etwas Angestaubtes, Altmodisches, zwanghaft Starres an sich. Wenn eine Begrüßung, eine Feier, ein Gottesdienst immer nach den selben starren Regeln abläuft, ist das wenig lebendig oder frisch. Wo bleibt da Raum für Veränderung, Erneuerung, Raum für Gottes lebendigen Geist?

Und doch können Rituale auch etwas Positives haben. Meine Frau und ich trinken nach dem Abendessen immer noch einen Espresso. Das ist mittlerweile zu einem „Ritual“ in unserer Ehe geworden. Das ist die Zeit, in der wir den Tag Revue passieren lassen, über persönliche Dinge sprechen, uns Zeit füreinander nehmen. Für mich ein schönes und wertvolles Ritual. Auch die tägliche Andacht, das Tisch- oder Abendgebet, die Taufe, das Abendmahl, eine Trauung, selbst ein gewöhnlicher Gottesdienst sind Beispiele für Rituale. Sie sind wertvoll und wichtig.

Rituale haben etwas von Beständigkeit, Verlässlichkeit und Treue an sich. Rituale können Struktur in unser Glaubensleben bringen, sie können uns helfen, gute, beständige Gewohnheiten zu entwickeln, die dann schließlich zu einem Lebensstil werden. Ein Lebensstil voller guter Gewohnheiten verändert schließlich uns und die Beziehung zu unseren Mitmenschen.

Allerdings sollten wir aufpassen. Auch wenn das Zeremoniell vielleicht immer gleich abläuft, sollen wir mit ganzem Herzen bei der Sache sein und aus innerer Überzeugung handeln. Es geht ja nicht um das Ritual selbst, sondern um die Bedeutung des Vorgangs. Gott verabscheut religiöse Rituale, wenn wir sie nur tun, damit sie eben getan sind oder weil das immer schon so gemacht wurde. In Jesaja 1 sagt er deutlich, dass er die Opfergaben der Menschen satt hat, solange sie ihren Lebenswandel nicht ändern.

Wir dürfen Rituale, Zeremonien und gute Gewohnheiten pflegen, sollten dabei aber stets auf den Heiligen Geist hören, der uns zeigt, auf was es wirklich ankommt und der uns sagt, wenn es an der Zeit ist, ein Ritual zu ändern.

Herzliche Segensgrüße

Dietmar Schwarz

Dietmar Schwarz